Der Trend - Schönheit zum Trinken
Warum plötzlich alle Kollagen trinken und wo der Haken liegt
Ich kann mich noch genau erinnern, wann ich das erste Mal über Kollagenpulver gestolpert bin. Es war in einem dieser makellos geschnittenen Instagram-Reels: eine glänzende Küche, eine Latte-Art-Tasse, ein perfekt manikürter Finger, der ein weißes Pulver ins Glas rieseln lässt. Darunter stand: „Trink dich schön mit pureSGP Collagen Peptides.“ Ab da sah ich die schwarze Dose überall. Innerhalb weniger Monate war Kollagen der neue Wellness-Star. Fast jede Influencerin in meinem Feed postete „Morgenroutine mit Collagen Coffee“. Zeitschriften schrieben von „Hautstraffung von innen“. Selbst in Apotheken standen plötzlich bunte Dosen neben Vitamin C und Magnesium.
Aber warum gerade Kollagen? Kollagen ist das häufigste Protein im menschlichen Körper. Es stützt Haut, Sehnen, Knochen, quasi unser biologisches Gerüst. Mit zunehmendem Alter produziert der Körper weniger davon. Logisch also, dass die Idee „wir füllen das einfach wieder auf“ verlockend klingt. Nur: So simpel funktioniert Biochemie nicht.
Die Marketing-Maschine
Was mich fasziniert und gleichzeitig misstrauisch macht, ist, wie geschickt diese Produkte inszeniert werden. Die Designs sind clean, medizinisch, hochwertig. pureSGP wirkt fast wie ein Laborprodukt. Dazu die Worte „pharmazeutischer Hersteller“ und „deutscher Qualitätsstandard“ alles Dinge, die Vertrauen wecken sollen. Doch wenn man sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ansieht, wird’s spannend. Laut EU-Health-Claims-Verordnung dürfen Hersteller nur dann gesundheitliche Aussagen machen, wenn deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen und offiziell genehmigt ist. Für Kollagen selbst gibt es bisher keine zugelassenen Claims. Zugelassen sind nur Aussagen zu Vitamin C, Zink, Biotin usw., die im Produkt zusätzlich enthalten sind etwa „Vitamin C trägt zur normalen Kollagenbildung bei“.
Das ist ein entscheidender Unterschied: Das Pulver wird also wegen der Vitamine beworben, aber als „Kollagenprodukt“ verkauft. Marketing – 1, Wissenschaft – 0.
Die Wissenschaft: klingt gut, wirkt kaum
Ich habe mich durch Studien gelesen. Es gibt tatsächlich ein paar Untersuchungen, die minimale Verbesserungen der Hautfeuchtigkeit zeigen. Aber viele davon sind klein, kurz und werden von Herstellern finanziert. Wenn unabhängige Wissenschaftler die Daten auswerten, schrumpft der Effekt dramatisch. Eine Meta-Analyse aus 2025 fasst es so zusammen: „Die Evidenz für eine klinisch relevante Verbesserung der Hautalterung durch orale Kollagensupplemente ist derzeit unzureichend.“ Oder einfacher gesagt: Ein bisschen Feuchtigkeit vielleicht, aber kein Jungbrunnen.
Warum wir trotzdem kaufen
  • Weil Hoffnung sich gut verkauft.
  • Weil „Trinken statt Cremeroutine“ einfacher klingt.
  • Und weil wir lieber ein hübsches Ritual kaufen als die unbequeme Wahrheit, dass Hautpflege meist langweilig und konsequent ist: Sonnenschutz, Schlaf, Ernährung.
Ich kann das verstehen. Ich wollte es ja selbst glauben. Aber zwischen Wunsch und Wirksamkeit liegen bei Kollagenpulvern ein paar Millionen Euro Marketingbudget.
Faktenbox – pureSGP im Schnellcheck